Gunter Baars

Gunter Baars, geboren 1962 in Hamburg-Altona. 1982 Abitur.Seinen ersten Beitrag für MAD veröffentlichte er mit 17 Jahren. 1982-
1987 war er Co-Redakteur bei MAD.Von 1987 bis 2003 betreute er mit MAD-Zeichner Ully Arndt die Serien “Ottifanten”, “Larry” und “Kosinus”.

Seit 1993 Entwickler von Kinderspielen (Der Zerstreute Pharao, Sphinx, Luxor ). Sein erstes Spiel entstand im Auftrag vom Ravensburger Verlag und hatte die Ottifanten als Thema.

Für das Fernsehen verfasste er Drehbücher für “Die Ottifanten”
Zeichentrick Serie. Für die Leinwand das Drehbuch zu “Kommando Störtebecker”.
Nebenher lieferte er immer wieder Gags für Otto.

Gunter Baars lebt mit seiner Familie in Halstenbek, Kreis Pinneberg im Süden von Schleswig-Holstein

Überblick über seine erfundenen Gesellschaftsspiele: http://www.spieletest.at/autor.php?ID=91

 

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Was haben Sie vor Ihrer MAD Tätigkeit gemacht?

Gunter Baars
Ich bin zur Schule gegangen. Mein erster MAD-Beitrag ist ja erschienen, als ich erst 17 war.

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Wie war Ihre Künstlerische Ausbildung?

Gunter Baars
Naturtalent

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Erzählen Sie von sich…

Gunter Baars
Ach…meine Biographie ist es nicht Wert erstellt zu werden. 1962 geboren, 1982 Abitur, nie etwas gelernt, für MAD, Ottifanten und anderes geblödelt und heute ein angenehmes Leben als Spieleerfinder.

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Wie kamen Sie zum Deutschen MAD? Stimmt es, das Sie schon als Schüler bei MAD gearbeitet haben?

Gunter Baars
Das ist eine Basic-Frage, die JEDEM Künstler gestellt wird? Naja, bei mir stimmt es jedenfalls (siehe oben).

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Waren Sie ein MAD Leser bevor Sie zum Deutschen MAD kamen?

Gunter Baars
Unbedingt. Ich war ein glühender Fan und Abonnent. Meine ersten beiden Veröffentlichungen in MAD waren auch Leserbriefe.

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Welche anderen Comics haben Sie gerne gelesen oder haben Sie in Ihrer
Arbeit beeinflußt?

Gunter Baars
Ich habe hauptsächlich die franko-beglischen Klassiker geliebt: Asterix, Lucky Luke, Tim & Struppi, Schlümpfe, etc. Mit amerikanischen Comics konnte ich nicht viel anfangen, außer Donald Duck natürlich.

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Haben Sie Redaktionsmitglieder persönlich kennengelernt? (z.B.
Feuerstein, Recht, Max Berthold usw.)

Gunter Baars

Da MAD-Verleger Klaus Recht in Hamburg lebte, kam Herbert Feuerstein einmal im Monat aus Miltenberg (ein kleines Kaff in Hessen) [1] für 2 Tage nach Hamburg. Da habe ich – nicht gleich am Anfang, so ab dem dritten Jahr ungefähr – immer einen Tag mit ihm verbracht. Abends sind wir meist noch Essen gegangen und haben in einer Spielhalle Computerspiele gespielt. Das war damals ja noch mächtig trendy.

Klaus Recht habe ich bei diesen Gelegenheiten meist auch kurz getroffen, vor allem aber seinen riesigen Bernhardiner, der mich jedesmal im Garten angefallen hat.

 

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Gab es strenge Vorgaben der Redaktion in Ihrer Arbeit oder konnten Sie
frei arbeiten?

Gunter Baars
Herbert Feuerstein hat jedes Komma und jeden Punkt in MAD kontrolliert. Ich war ja erst 17 als ich anfing. Er war mein Mentor, ich sein Schüler. Mal kamen die Themen-ideen von mir, meistens von ihm…und meine Gags hat er anfangs mehr und später weniger redigiert.

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Gab es beim US-MAD Lieblingszeichner oder Texter?

Gunter Baars
Ach…ich war ja zunächst mal ein Fan von jedem einzelnen Wort und Strich in MAD. Später als Mitarbeiter haben mir immer noch besonders die Film-Satiren von Mort Drucker und diversen Textern besonders gefallen. Viele von ihnen habe ich ja zwischen 1982 und 87 ins Deutsche übertragen. Es war nicht leicht, den Wortwitz auch auf Deutsch in die vorgegebenen Blasen zu bekommen…denn die deutsche Sprache ist bekanntlich 1/3 länger.

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Und beim Deutschen MAD?

Gunter Baars
Beim deutschen MAD waren natürlich alle Kollegen toll. :o) Besonders gefiel mir der Stil von Nils Fliegner.

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Haben Sie einen Lieblings Beitrag auf den Sie persönlich stolz sind?

Gunter Baars
Kann ich mich nicht mehr erinnern. Aber ich erinnere mich an eine Menge Beiträge, auf dich ich persönlich NICHT sehr stolz bin. Nachfrage zwecklos!

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Herbert Feuerstein sagte einmal in einem Interview, das er die Zeit
beim Deutschen MAD für seine beste hielt! Stimmen Sie ihm da zu? Wie sehen Sie die Zeit?

Gunter Baars
Herbert Feuerstein war in seiner MAD-Zeit natürlich viel älter, als ich mit meinen 17 bis 25 Jahren. Somit ist die Einschätzung dieser Zeit auch ganz anders. Für mich jungen MAD-Fan war es zunächst mal das Paradies, ich wollte nichts anderes im Leben mehr machen. Später kam dann aber doch der Gedanke auf, es könnte auch noch andere Dinge im kreativen Leben geben.

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Es ist kein Geheimniss, das Deutsche MAD Zeichner alte US-Beiträge ins
Deutsche übertragen haben. Waren Sie mitverantwortlich dafür, das Trautmann oder Stein viel nachgezeichnet haben?

Gunter Baars
Da das amerikanische MAD nur 8 Ausgaben hatte und obendrein viele US-Beiträge im deutschen nicht funktionierten, musste viel umgearbeitet werden, um das Heft vollzukriegen. In der Zeit zwischen 1982 und 87 habe ich sehr viele Beiträge umgearbeitet. Wer was und warum umgezeichnet hat, lag in der Entscheidung von Feuerstein.

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Manche Nachzeichnungen fand ich persönlich als überflüßig. Denken Sie,
das die Zeichner von der Redaktion beschäftigt werden mußten, weil die
Zahl der Zeichner und Texter ja seit den 1970ern stetig wuchs?

Gunter Baars
Das mag in Einzelfällen ein Grund gewesen sein, aber sicher nicht regelmäßig. So reich war der Verleger nun auch wieder nicht. :o)

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Was haben Sie nach MAD gemacht? Was machen Sie jetzt?

Gunter Baars
Von 1987 bis 2003 habe ich mit MAD-Zeichner Ully Arndt die Ottifanten-Comics und andere Comic-Serien (Larry, Kosinus) produziert. Dazu gehörte auch das ganze Merchandising, eine 13teilige Fernsehserie und der Kinofilm “Kommando Störtebeker”. Seit 1993 habe ich mich immer stärker auf das Entwicklen von Kinderspielen konzentriert. Über 50 Spiele sind bis heute erschienen.

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Wie beurteilen Sie die Zukunft des deutschen/US MAD? Hat das Magazin eine Zukunft?

Gunter Baars
Antwort im nächsten Absatz

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Für wie satirisch halten Sie das neue deutsche MAD? Hat es noch was mit Satire zu tun?

Gunter Baars

MAD war ja immer nur Satire-Light. Feuerstein kam damals von PARDON zu MAD. PARDON war ein echtes Satiremagazin, auch TITANIC natürlich. MAD war für ein jüngeres Publikum gemacht, war mehr ein – allerdings sehr niveauvolles – Blödelmagazin. Für die Qualität stand Herbert Feuerstein, der selbst auf das kleinste Detail achtete. Als Feuerstein ausstieg und Verleger Klaus Recht für die letzte Zeit auch die Redaktion übernahm, ging es mit der Qualität schon stark abwärts…was aber auch an den immer schwächeren US-Beiträgen lag.

Das neue “Deutsche MAD” kann in Stil und Qualität in keiner Weise mit dem Original mithalten. Aber ganz sicher sind dort auch keine Spitzenkräfte wie Herbert Feuerstein am Ruder. Seine Fußstapfen wären für jeden neuen MAD-Redakteur zu groß.

 

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Kann man neue deutsche MAD mit einer anderen deutschen Publikation vergleichen?

Gunter Baars
Keine Ahnung.

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Gehörten Sie auch zu den Textern oder Zeichnern die ihren Beitrag als “Frank Vielmeister” ausgeführt haben?

Gunter Baars
Herbert Feuerstein wollte nicht, dass einzelne Zeichner oder Texter zu oft im Heft genannt wurden. Für diesen Fall und für den Fall, dass mehrere Personen (meist Texter) an einem Artikel gearbeitet hatten, wurde das Pseudoym “Frank Vielmeister” erfunden. Da ich in meiner Hochzeit zwischen 1982 und 1987 an sehr vielen Teilen des Heftes irgendwie beteiligt war, liefen meine Beiträge dann auch oft als “Frank Vielmeister”.

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I.Astalos hat in MAD oft als Hans Tischler oder Jakob Tischler Beiträge verfasst. Hatte Sie neben “Bastian Gutz” noch andere “Alias” Namen?

Gunter Baars
Nein. Nur den Vielmeister eben.

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Habe in den MAD Heften gesehen, das sehr viele unterschiedliche Texter, neben den Stammtextern, Beiträge verfasst haben. Waren das Freunde oder Bekannte die an MAD vermittelt wurden? Z.B. Karsten Loh, Ferek H.Neumann, Don Bernado etc.?

Gunter Baars
Nein, ich denke, die meisten von denen haben auf die gleiche Weise wie ich zu MAD gefunden: Erst Leser und Fan, dann ein erster eigener Beitrag. Aber ich weiß es nicht. Kennengelernt habe ich von den deutschen Textern nur Frerk H. Neumann.

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In MAD 152 gab es einen Zeichner der Franz Berthold hieß. War das sein richtiger Name oder ein Pseudonym für einen bekannten Zeichner (Obwohl an den Stil konnte ich keinen bestimmten Zeichner erkennen)?

Gunter Baars
Das weiß ich nicht.

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Wissen Sie ob oder wievielmal der “Goldene Alfred” vergeben wurde? Und wissen Sie ob noch so eine Tropähe irgendwo existiert?

Gunter Baars
Meines Wissens wurde die Trophäe nur ein oder zweimal wirklich vergeben. Im Verlag standen aber immer gut 8 bis 10 Stück oben auf dem Schrank. Und eine steht noch heute bei mir im Arbeitszimmer. Unverkäuflich…um der nächsten Frage vorzubeugen.

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Als Redaktionsassistent haben Sie auch Leserbriefe beantwortet, US-Beiträge übersetzt oder Ideen für Titelbilder gehabt?

Gunter Baars

Alles ja, natürlich! Ideen für Titelbilder nur einige Male, US-Beiträge zu übersetzen und dabei in großen Teilen auch neu zu texten (wenn die amerikanischen Gags nicht funktionierten) war einer meiner Hauptjobs in der Zeit als Redakteur. Und die Leserbriefe habe ich viele Jahre beantwortet. Feuerstein bestand darauf, dass es keine vorgefertigen Antworten gab. Jeder Leser mußte eine eigene freche Antwort kriegen. Nur wenn es die schon 100mal gestellten Standard-Fragen waren, habe ich auch mit einem Standard-Satz geantwortet.

Die Bezeichnung “Redaktionsassistenz” war übrigens wie auch das lapidare “Der Red.” typisches MAD-Understatement. “Der Red.” Herbert Feuerstein war der Chefredakteur, der von der ersten bis zur letzten Seite für Inhalt und Stil verantwortliche Macher des Hefts. Und ich als “Assistent” war halt der andere “Red.” in der kleinen Zwei Mann-Redaktion zu dieser Zeit.

 

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Warum hat Rolf Trautmann bei der Taschenbuch Reihe bis zum schluss fast alle Cover Nachgezeichnet?

Gunter Baars
Hat er das? Keine Ahnung. Waren vielleicht die US-Cover a) als Vorlagen zu schlecht oder b) im Original gar nicht vorhanden?

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Wieso wurden Don Martin Comics von Deutschen Zeichnern, wie Astalos gezeichnet bzw. nachgezeichnet?

Gunter Baars
Die Don Martin-Seiten gingen irgendann zur Neige, weil es – wie gesagt – nur 8 US-Ausgaben im Jahr gab, weil viele Gags im Deutschen nicht funktionierten und vor allem weil Don Martin sich mit der US-MAD-Redaktion verkracht hatte. Er kündigte damals und wechselte zeitweise sogar zur Konkurrenz von “Cracked”. Äußerst peinlich für Don Martin muss ich leider sagen.

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Wer hat alles, neben Astalos und Dieter Stein, an den Deutschen Spion und Spion Comics gezeichnet?

Gunter Baars
Das weiß ich nicht.

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Heute sind Sie ja Spieleerfinder. Haben Sie auch an der Deutschen Version des MAD-Spiels und das von Spion & Spion mitgearbeitet oder diese ins Deutsche adaptiert?

Gunter Baars
Nein, die Adapation der beiden deutschen Ausgaben hat Herbert Feuerstein übernommen, der übrigens mit dem inzwischen verstorbenen Alex Randolph, dem berühmten Autoren des “Spion & Spion”-Spiels, eng befreundet war.

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Können Sie das Geheimnis lüften, wer damals die Versand Oma war?

Gunter Baars
Hm…Versand-Oma? An die kann ich mich nur dunkel erinnern. Erschien die nicht erst, als Klaus Recht das Heft nach Feuersteins Ausscheiden selbst betreute?

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Wissen Sie wie es um Rolf Trautmann steht? Angeblich will Dieter Stein von Herbert Feuerstein gehört hat, Trautmann wäre verstorben! Wissen Sie mehr?

Gunter Baars
Das weiß ich nicht.

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Können Sie uns was zum MAD Treffen in Erlangen zum dortigen Comic-Saloon sagen? Einige Künstler trafen sich dort zum erstenmal.

Gunter Baars
Von einem “MAD-Treffen” in Erlangen weiß ich nichts. Ich habe vor Ewigkeiten mal mit I. Astalos in Erlangen unser gemeinsames MAD-Taschenbuch signiert. Das werde ich nie vergessen, denn auf dem Rückflug wäre ich beim Flug in Klaus Rechts kleinem Propellerflugzeug fast gestorben vor Angst.

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Wie kam es, das der Brasilianische Zeichner Ota einen Beitrag für das Deutsche MAD verfasst hat?

Gunter Baars
Keine Ahnung. Wurde vielleicht ein Beitrag aus der brasilianischen Ausgabe von MAD übernommen?

Leserbrief von Gunter Baars aus dem MAD Heft 106

  1. [1] Miltenberg liegt nicht in Hessen. Es gehört zum Regierungsbezirk Unterfranken und gehört somit zu Bayern.

 

Das Interview wurde von Michael Elias und Bernd Engel im November 2011 per Mail geführt.

1000 Dank an Gunter Baars, dass er sich die Zeit für das Interview genommen hat!!

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