What, me worry? Wie eine neue Ausstellung die Kunst hinter dem MAD Magazin feiert

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Wer an das MAD Magazin denkt, hat sofort das lückenhafte Grinsen von Alfred E. Neuman vor Augen. Doch hinter den bissigen Parodien, den absurden Cartoons und dem subversiven Humor verbirgt sich weit mehr als nur simpler Klamauk: Es ist eine jahrzehntelange Geschichte handwerklicher Meisterschaft und scharfsinniger Gesellschaftskritik. Genau diesem Aspekt widmet sich derzeit das Cincinnati Art Museum (CAM) in den USA mit einer umfassenden Retrospektive.

Offizielles Logo der Ausstellung „What, Me Worry? The Art and Humor of MAD Magazine“ mit dem klassischen roten MAD-Schriftzug.
Das visuelle Aushängeschild der Retrospektive: Der ikonische Schriftzug zur aktuellen Ausstellung im Cincinnati Art Museum.

Unter dem Titel „What, Me Worry? The Art and Humor of MAD Magazine“ (Na, und? Die Kunst und der Humor des MAD Magazins) lädt das Museum Besucher noch bis zum 1. März dazu ein, tief in das Universum der wohl ikonischsten Satire-Publikation der Welt einzutauchen.

Von der „üblichen Bande von Idioten“ zur kulturellen Instanz

Emily Agricola Holtrop, die Direktorin für Bildung und Vermittlung am CAM, war selbst kein ausgewiesenes „MAD-Kind“, als sie aufwuchs. Doch für sie ist das keine Voraussetzung, um die Faszination dieser Ausstellung zu verstehen. „Wenn Sie Cartoons mögen, wenn Sie Comics mögen, wenn Sie Illustrationen schätzen, aufgeschlossen sind und Satire lieben… dann werden Sie hier fündig“, erklärt Holtrop.

Die Ausstellung beleuchtet den Werdegang des Magazins, das beschiedene Anfänge im Jahr 1952 als Comicheft nahm. In den sieben Jahrzehnten seither hat sich MAD zu einer Institution entwickelt. Das Team hinter dem Heft, das sich selbst liebevoll als die „Usual Gang of Idiots“ (die übliche Bande von Idioten) bezeichnete, schuf eine Bildsprache, die sich tief in das kollektive Gedächtnis eingebrannt hat – sowohl bei treuen Lesern als auch bei Menschen, die das Heft nie gekauft haben.

Ursprünglich vom Norman Rockwell Museum in Massachusetts konzipiert und von Stephanie Haboush Plunkett sowie dem Illustrator Steve Brodner kuratiert, fand die Schau ihren Weg in den Mittleren Westen, nachdem CAM-Direktor Cameron Kitchin von der Qualität der Exponate begeistert war.

Original Tuschezeichnung von Peter Kuper für das MAD Magazin: Wonder Woman und die graue Spionin aus Spy vs. Spy fesseln den schwarzen und weißen Spion und geben sich ein High-Five.
Frauenpower im MAD-Universum: Ein Original-Titelbild von Peter Kuper, das Wonder Woman mit der Welt von „Spy vs. Spy“ vereint.

Ein Spiegel der Zeitgeschichte

Die Ausstellung ist weit mehr als eine Sammlung alter Witze. Holtrop, die als Projektleiterin vor Ort die Umsetzung überwachte, sieht in ihrer Rolle als Museumspädagogin vor allem die Aufgabe, Geschichten zu erzählen. Und MAD hat viele davon auf Lager.

„Die Werke in dieser Ausstellung erzählen nicht nur die Geschichte von MAD selbst, sondern spiegeln auch die großen historischen Momente, kulturellen Bewegungen und sozialen Umbrüche der letzten 70 Jahre wider“, so Holtrop. Von den rebellischen Anfängen bis zur Entwicklung als wichtigstes Sprachrohr für kritischen Humor hat MAD die jeweilige Zeit immer auf seine ganz eigene, unverwechselbare Art kommentiert.

Genau dieser Aspekt macht die Ausstellung zu einem generationenübergreifenden Erlebnis. Es ist ein Ort, an dem Großeltern gemeinsam mit ihren Enkeln durch die Räume gehen können. Die ältere Generation erinnert sich an die Satire ihrer Jugend, während die jüngere Generation die zeitlosen Mechanismen von Humor und Kritik entdeckt.

Handwerk, das man sehen kann

Ein besonderer Fokus liegt auf dem künstlerischen Prozess. In einer Zeit, in der digitale Kunst dominiert, bietet „What, Me Worry?“ einen faszinierenden Blick auf die analoge Produktion. Besucher können den Weg einer Idee „vom Konzept bis zur Fertigstellung“ nachverfolgen. Auf vielen der über 150 ausgestellten Papierarbeiten sind noch die Prozesszeichnungen, Bleistiftskizzen und Markierungslinien der Künstler zu erkennen. Diese Details machen die Arbeit greifbar und lebendig.

Ein absolutes Highlight der Schau ist eine direkte Gegenüberstellung, die den Ursprung der Ausstellung würdigt: Eine Parodie von Norman Rockwells berühmtem „Triple Self-Portrait“ durch den MAD-Künstler Richard Williams hängt direkt neben dem Rockwell-Original. Es ist ein augenzwinkernder Beweis dafür, dass Satire sich nicht vor der sogenannten „hohen Kunst“ verstecken muss.

Natürlich darf auch die Evolution des Maskottchens Alfred E. Neuman nicht fehlen. Besucher können beobachten, wie sich sein Gesicht über die Jahre veränderte, und sogar selbst Hand anlegen, indem sie ihr eigenes MAD-Cover entwerfen. Damit wird der Museumsbesuch interaktiv und fordert die eigene Kreativität heraus.

Warum Satire ins Kunstmuseum gehört

Manche mögen sich fragen, ob Karikaturen und Cartoons wirklich „Kunst“ sind. Für Emily Holtrop stellt sich diese Frage nicht. Sie betont die Komplexität des Genres: „Jemandes Ähnlichkeit so einzufangen, dass man die Person sofort erkennt, es aber trotzdem eine Karikatur bleibt – das ist wahre Kunstfertigkeit.“

Sie zieht sogar Parallelen zu den großen Meistern der Kunstgeschichte. Die kollaborative Arbeitsweise zwischen den MAD-Künstlern und den Autoren vergleicht sie mit den Werkstätten der alten niederländischen Meister und deren Lehrlingen. Es ist ein Handwerk, das Präzision erfordert.

Dabei geht es nicht nur um die Technik, sondern auch um das genaue Hinsehen. Viele der Pointen zünden nicht sofort. Holtrop rät den Besuchern, innezuhalten: „Man muss wirklich lesen, stehenbleiben und schauen, denn es gibt vieles, was erst mit Verzögerung zum Lachen bringt.“ Die Details sind oft der Schlüssel zum Verständnis.

Letztendlich erfüllt das Cincinnati Art Museum mit dieser Ausstellung genau seinen Zweck als Museum für die Gemeinschaft. „Es liegt in unserer Verantwortung, alle Arten von Kunst zu zeigen, nicht nur die bildende Kunst“, resümiert Holtrop. Illustration ist eine Kunstform, die den Menschen vertraut ist und Schwellenängste abbaut. Wer durch die Türen des Museums tritt, um über Alfred E. Neuman zu lachen, entdeckt dabei vielleicht, dass Kunst viel mehr ist als Ölfarbe auf Leinwand – sie ist ein Spiegel unserer selbst, mal verzerrt, mal brutal ehrlich, aber immer unterhaltsam.

 

Mehr Informationen: https://www.citybeat.com/arts/cincinnati-art-museum-exhibit-explores-the-artistry-of-iconic-satire-publication-mad-magazine/

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