Die MAD-Nachahmer der 50er: Panic, Snafu und der gierige Markt der Klone

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Sobald irgendwo ein Hit landet, tauchen die Nachahmer auf. Als Harvey Kurtzman 1952 MAD gründete, konnte niemand ahnen, welchen Einfluss das Magazin auf die amerikanische Satire haben würde. Spätestens mit der vierten Ausgabe und der legendären „Superduperman!“-Parodie war klar, wohin die Reise geht: bissige Gesellschaftskritik, verpackt in intelligente und handwerklich brillante Parodien.

Die Verlage reagierten prompt. Dutzende hastig produzierter Imitationen überschwemmten den Markt. Äußerlich sah vieles nach MAD aus – gleiche Farben, ähnliche Layouts, bekannte Gesichter aus der Comic-Szene. Nur eines fehlte fast immer: das Gefühl, dass da jemand wirklich etwas zu sagen hatte. Fantagraphics hat zwei der bekanntesten Beispiele wieder ausgegraben und als hochwertige Hardcover neu veröffentlicht: Panic und Snafu.

Panic: Der hauseigene Konkurrent von EC Comics

Panic erschien ausgerechnet bei EC Comics selbst – also demselben Verlag wie MAD. Verantwortlich war Al Feldstein. Während Kurtzman MAD 1955 durch die Umwandlung in ein großformatiges Schwarz-Weiß-Magazin vor den Folgen des neuen Comics Code rettete, blieb Panic ein gewöhnliches Comic-Heft und verschwand damit früher oder später im selben Sog wie die meisten anderen.

Cover der ersten Ausgabe des Comic-Hefts Panic von EC Comics mit einer makabren Weihnachtsszene, in der ein Junge eine Bärenfalle unter den Kamin stellt, in dem der Weihnachtsmann steckt.
Die allererste Ausgabe von Panic (März 1954) mit einem herrlich makabren Weihnachtscover von Al Feldstein.

Feldstein hatte Zugriff auf dieselben Ausnahmetalente wie Jack Davis und Wally Wood – daran lag es also nicht. Was fehlt, ist Kurtzmans akribische Detailarbeit, dieses Aufreizen einer Pointe bis auf den letzten Millimeter. Bei Davis merkt man das besonders: Er bringt Energie und zeichnerisches Chaos, aber die Gags funktionieren oft nur auf der Oberfläche. Man lacht kurz, und dann ist der Moment schon weg.

Wally Wood schneidet deutlich besser ab. Seine Filmparodien wie Hondo („Hindu“) oder Strategic Air Command zeigen etwas, das man in Panic sonst selten findet: Figuren, die ihre eigene Filmwelt kommentieren und sich direkt über Hollywoods Klischees lustig machen, anstatt sie bloß nachzuahmen. Das hat tatsächlich schon etwas von dem Meta-Humor, den MAD später zur Kunstform ausbaute.

Snafu: Stan Lees zynischer Geniestreich

Atlas, der spätere Marvel-Verlag, ließ sich den Boom natürlich auch nicht entgehen. Unter Stan Lees Leitung entstand Snafu – und wenn Panic zumindest noch eigene Akzente setzte, dann orientierte sich Snafu schlicht schamlos am Erscheinungsbild von MAD.

Atlas verfügte nicht über die Zeichner-Elite von EC, und das sieht man. Vieles wirkt wie schnell zusammengestückeltes Füllmaterial: seitenlange Archivfotos, dürftige Texte, der Eindruck von Ware, die fertig sein musste, bevor die Ideen da waren. Trotzdem haben die Hefte ihren Reiz – und der liegt weniger in den Zeichnungen als im Ton. In den Textbeiträgen klingt bereits dieser freche, leicht respektlose Unterton durch, der später viele Marvel-Comics prägen sollte. Russ Heath und Marie Severin sorgen außerdem dafür, dass das Heft optisch weit besser aussieht, als es das eigentlich verdient hätte.

Drei Ausgaben. Dann war Schluss.

Die drei Satire-Magazine im direkten Vergleich

Kriterium MAD (Frühphase) Panic Snafu
Verlag EC Comics EC Comics Atlas Comics (Pre-Marvel)
Federführender Kopf Harvey Kurtzman Al Feldstein Stan Lee
Format Comic (ab 1955 Magazin) Comic Magazin
Umfang & Schicksal Der lachende Sieger 12 Ausgaben 3 Ausgaben
Prägende Zeichner Will Elder, Wally Wood, Jack Davis Jack Davis, Wally Wood Russ Heath, Joe Maneely, John Severin

Was bleibt: der Blick hinter die Kulisse

Panic und Snafu sind keine vergessenen Meisterwerke – das waren sie nie und wollten es wohl auch nicht sein. Was sie zeigen, ist etwas anderes: wie ein Markt auf einen Erfolg reagiert, der zu schnell zu groß wurde. Jemand hatte eine Idee, alle anderen wollten mitmachen, und das Ergebnis ist ehrlicher als jedes sorgfältig kuratierte Klassikerarchiv. Manche Gags zünden, andere gehen komplett daneben. Keine Redaktion, die weiß, was sie eigentlich macht – nur das Bemühen, rechtzeitig am Start zu sein.

Wer sich nur für Kurtzmans MAD interessiert, kann hier getrost weiterblättern. Wer wissen will, was in den 1950ern links und rechts vom Original passierte, bekommt genau das: die wilde, unordentliche zweite Reihe der amerikanischen Satire-Comics.

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