
Unconditionally MAD: Ein Fest für alle Freunde des Wahnsinns
Als langjähriger MAD-Fan musste ich bei Unconditionally MAD von Mark Arnold natürlich sofort zugreifen. Arnold hat schon einige Popkultur-Bücher geschrieben, aber hier merkt man, dass MAD sein eigentliches Herzensthema ist – das spürt man auf jeder Seite.
Chronologisch geht er die Geschichte des Magazins durch, von den anarchischen 1950ern bis in die jüngeren Jahrzehnte. Was mir dabei besonders aufgefallen ist: Er hängt MAD nicht im luftleeren Raum auf, sondern zeigt ständig, wie eng die Hefte mit dem jeweiligen Zeitgeist verdrahtet waren. Wer wissen will, warum MAD in den 60ern anders tickte als in den 80ern, bekommt hier die Antwort gleich mitgeliefert.
Die Bebilderung allein ist den Kaufpreis wert. Cover, Fotos, Skizzen, Archivmaterial – kaum eine Seite ohne. Wer schon lange MAD liest, wird hier Motive wiederfinden, die man fast vergessen hatte, und gleichzeitig Details entdecken, die einem vorher nie aufgefallen sind. Man sieht förmlich, wie sich Zeichenstil und Layout über die Jahrzehnte verschoben haben. Das Bildmaterial ist hier kein Beiwerk, das man durchblättert, um zum nächsten Textblock zu kommen – man bleibt hängen.
Was mich am meisten gefreut hat: Arnold vergisst die Leute im Hintergrund nicht. Klar, Kurtzman, Gaines und Feldstein bekommen ihren Platz, aber auch die weniger bekannten Mitwirkenden werden ausführlich vorgestellt, mit echten Geschichten statt Kurzbiografien. Man merkt Arnold die Begeisterung für diese Leute regelrecht an.
Ein guter Teil des Buches dreht sich um die Anfänge: Wie Kurtzman aus einem simplen Comic-Heft eine Satire-Institution gemacht hat, die sich an Autoritäten, Trends und gesellschaftlichen Selbstverständlichkeiten abarbeitete. Arnold blendet dabei die Probleme nicht aus – Verlagsstreitereien, Produktionsschwierigkeiten, Vermarktungsfragen kommen genauso vor wie die großen Erfolge.
Die Kapitel über die prägenden Köpfe sind ebenfalls keine bloßen Steckbriefe. Kurtzman, Gaines, Feldstein und Co. werden mit ihren unterschiedlichen Persönlichkeiten und Arbeitsweisen gezeigt – und man versteht plötzlich besser, woher dieser eigenwillige MAD-Ton eigentlich kam.

Wenn ich etwas zu meckern habe: An manchen Stellen hätte ich mir noch mehr Tempo gewünscht, gerade bei den späteren Jahrzehnten wird es etwas dichter erzählt als bei den Gründerjahren. Aber das ist Kleinkram angesichts dessen, was das Buch insgesamt liefert.
Für MAD-Fans ist das hier ziemlich genau das, was man will: solide recherchierte Geschichte, satt Bildmaterial, viele Geschichten aus der Redaktion. Und auch wer sich allgemein für amerikanische Satire oder Comicgeschichte interessiert, bekommt hier kein reines Nostalgiealbum, sondern ein Buch, das erklärt, warum MAD eben nicht einfach irgendein Heft war.
Teil A: Die Ursprünge und Entwicklung von MAD: Im ersten Teil des Buches taucht der Leser ein in die Anfänge und die Entwicklungsgeschichte von MAD.
Teil B: Die Kreativen Köpfe hinter MAD: Im zweiten Teil des Buches konzentriert sich Arnold auf die talentierten Künstler, Autoren und Redakteure, die MAD zu einem kulturellen Phänomen gemacht haben.



