Es gibt Tage, an denen man Nachrichten zweimal lesen muss. Besonders, wenn das Veröffentlichungsdatum auf den 1. April fällt. Doch DC Comics meint es todernst – oder zumindest so ernst, wie man es eben meinen kann, wenn man eine der anarchischsten Stimmen der Comic-Branche auf das eigene Universum loslässt. Im Frühjahr 2026 erscheint „MAD About DC“, ein 64-seitiges One-Shot, das verspricht, kein Auge trocken und keinen Batman Umhang sauber zu lassen.
In einer Zeit, in der große Verlage oft penibel auf ihr Image achten und ihre Helden als unantastbare Ikonen stilisieren, wagt DC einen erfrischenden Schritt in Richtung Selbstironie. Der Verlag hat niemand Geringeren als Chip Zdarsky als Gastredakteur für eine einmalige Wiederbelebung des legendären MAD Magazins verpflichtet. Das Ziel? Ein liebevoller, aber gnadenloser „Roast“ des gesamten DC-Universums.

Der Chefredakteur des Chaos: Chip Zdarsky
Chip Zdarsky ist in der Comic-Szene längst kein Unbekannter mehr. Als Autor hat er Batman durch einige seiner dunkelsten Stunden geführt, doch seine Wurzeln liegen in der Satire (man denke an Zdarsky Comic News). Dass ausgerechnet der Mann, der den Mitternachtsdetektiv schreibt, nun die Aufgabe hat, ihn und seine Kollegen durch den Kakao zu ziehen, entbehrt nicht einer gewissen Komik.
Zdarsky selbst kommentierte seinen neuen Posten mit dem ihm eigenen trockenen Humor: „Man sagt, bei DC geht es nach dem Schreiben von Batman nur noch bergab, und ja, das stimmt. Es ist absolut wahr.“ Diese Einstellung scheint das Fundament für das Projekt zu sein. Marie Javins, Chefredakteurin bei DC, betonte, dass dieses Projekt den Geist von MAD in der bestmöglichen Weise verkörpert. Es geht um diese spielerische Respektlosigkeit, die MAD seit Jahrzehnten auszeichnet. Um DC wirklich effektiv zu parodieren, braucht man Kreative, die die Charaktere in- und auswendig kennen – nur so treffen die Witze auch ins Schwarze.
Jim Lee im Fadenkreuz
Ein besonderes Highlight – und ein Beweis dafür, wie viel Narrenfreiheit Zdarsky wirklich genießt – ist der Umgang mit den „Oberen“ des Verlags. Das Cover des Specials nimmt direkt Bezug auf Jim Lee, den Publisher und Chief Creative Officer von DC. Der interne Witz? Lees berüchtigte Verspätungen.
Konkret geht es um den aktuellen Batman-Handlungsbogen „H2SH“ und die Ausgabe #163, die laut Berichten fast ein Jahr hinter dem ursprünglichen Zeitplan liegt. Anstatt dieses heikle Thema totzuschweigen, macht Zdarsky es zur Zielscheibe. Es ist diese Art von Meta-Humor, die Fans erwarten dürfen: Witze, die nicht nur an der Oberfläche kratzen, sondern tief in die reale Redaktionspolitik und die Eigenheiten der Industrie eintauchen.
Ein Line-up, das sich gewaschen hat
Doch „MAD About DC“ ist keine One-Man-Show. Zdarsky hat ein Team um sich geschart, das sich liest wie das „Who is Who“ der modernen Comic-Industrie. Auf 64 Seiten wird ein Feuerwerk an Kurzgeschichten, Strips und Gags abgebrannt.
Besonders nostalgisch wird es durch die Beteiligung von Sergio Aragonés. Der legendäre MAD-Zeichner steuert „A MAD Look at Comic Book Stores“ bei – ein Titel, der allein schon Erinnerungen an klassische MAD-Taschenbücher weckt. Dazu gesellt sich eine Neuinterpretation des Kult-Klassikers „Spy vs. Spy“, hier umgetauft in „Guy vs. Spy“ (vermutlich eine Anspielung auf Guy Gardner?), inszeniert von Jim Zub und Ramon Perez. Und natürlich darf das berühmte „Fold-In“ (das Faltbild auf der letzten Seite) nicht fehlen, diesmal kreiert von Charles Soule und Ryan Browne.

Die Liste der weiteren Beiträger ist schwindelerregend lang und deutet darauf hin, dass hier Qualität auf Quantität trifft. Von Schwergewichten wie Scott Snyder, Mark Waid und Gail Simone bis hin zu Tom Taylor, Kelly Sue DeConnick und Ryan North – es scheint, als wollte jeder, der bei DC Rang und Namen hat, Teil dieses historischen Unfalls sein. Dass ernsthafte Autoren wie Snyder hier ihre komödiantische Ader ausleben dürfen, verspricht interessante Twists für Charaktere, die wir sonst nur mit grimmigem Gesichtsausdruck kennen.
Ausstattung und Verfügbarkeit
Das Heft erscheint am 1. April 2026 (kein Scherz). DC bietet das Special in verschiedenen Varianten an, um auch den Sammlermarkt zu bedienen – ein weiteres Thema, das sich hervorragend für Satire eignet.
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Standard Cover ($7.99): Gestaltet von Dan Panosian, mit einem Titelwitz über Gluten-Kennzeichnung (weil das offensichtlich das drängendste Problem unserer Zeit ist).
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Cardstock Variants ($8.99): Von Simon Bisley und Chip Zdarsky selbst.
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Foil Variant ($10.99): Ebenfalls von Panosian, für alle, die es gerne glänzend mögen.
In einer Ära, in der Fandoms oft polarisiert sind und Diskussionen über Comics schnell hitzig werden, wirkt „MAD About DC“ wie ein notwendiges Ventil. Es erinnert uns daran, dass es am Ende des Tages „nur“ Comics sind – bunte Hefte über Menschen in Spandex, die fliegen können.
Wenn ein Verlag die Größe besitzt, sich selbst, seine Verspätungen, seine kreativen Entscheidungen und seine Ikonen der Lächerlichkeit preiszugeben, stärkt das die Bindung zur Community. Es ist ein Augenzwinkern zwischen Machern und Lesern. Ob all die angekündigten Künstler tatsächlich in 64 Seiten passen oder ob das Inhaltsverzeichnis selbst schon der erste Witz ist, erfahren wir im April. Fest steht: Dieses Heft könnte das lustigste Desaster des Jahres werden.
Quellen:
- https://www.dc.com/blog/2026-01-21/dc-announces-mad-about-dc-to-publish-on-april-1
- https://www.thepopverse.com/comics-mad-about-dc-chip-zdarsky-april-2026
- https://bleedingcool.com/comics/chip-zdarsky-not-joking-about-jim-lee-batman-lateness-in-mad-magazine/



