Am 3. September 2024 erscheint das neue MAD Buch „The MAD Files: Writers and Cartoonists on the Magazine that Warped America’s Brain!“ von David Mikics.
Die MAD-Files: Eine Hommage an das subversivste Magazin Amerikas

Vergesst die Simpsons, vergesst Letterman und Colbert. Bevor die alle ihre Pointen setzten, gab es schon ein Heft, das nach Druckerschwärze roch und voller Kritzeleien steckte, die den amerikanischen Traum mit sichtlicher Freude durch den Kakao zogen.
Die Rede ist von MAD. Das Magazin schlug in den 50ern ein wie eine kleine Atombombe in der geschniegelt-sauberen Nachkriegswelt. Es war der freche Teufel auf der Schulter einer ganzen Generation und flüsterte: „Hey, ist das hier nicht alles ziemlich bescheuert?“ Wer sich heute durch Underground-Comics, Satiremagazine oder Late-Night-Monologe lacht, hat MAD mehr zu verdanken, als ihm meistens bewusst ist.
David Mikics hat diesen Wahnsinn jetzt zwischen zwei Buchdeckel gepackt. In The MAD Files meldet sich die berühmte „Usual Gang of Idiots“ noch einmal zu Wort – nicht nur die bekannten Namen, sondern auch Stimmen, die man vielleicht nicht sofort erwartet hätte. Mich hat genau das überzeugt: Das Buch suhlt sich nicht in Nostalgie, sondern zeigt, warum MAD bis heute erstaunlich treffsicher wirkt.
26 Essays und Comics werfen ganz unterschiedliche Blicke auf das Magazin – manche klug, manche herrlich albern, ein paar einfach nur liebevoll schräg.
Art Spiegelman bringt es auf den Punkt: Was er von seinen Einwanderer-Eltern nicht über Amerika lernen konnte, lernte er durch MAD – ein Satz, der bei mir sofort hängen geblieben ist. Roz Chast erinnert sich an ihre erste Begegnung mit dem Heft als „Liebe auf den ersten Blick“, und man merkt beim Lesen, dass das keine Floskel ist. Für viele war MAD eben mehr als ein Magazin. Es war ein geheimer Treffpunkt für Leute, denen die Welt schon immer ein bisschen zu absurd vorkam.
David Hajdu und Grady Hendrix widmen sich den legendären Filmparodien – etwa der MAD-Version von „Love Story“, die gnadenloser austeilte als der Originalfilm jemals sentimental sein konnte. Liel Leibovitz gräbt tief und legt die jüdischen Wurzeln dieses Humors frei. Rachel Shteir rückt die Frauen von MAD ins Rampenlicht und erinnert daran, dass sie an diesem anarchischen Kosmos kräftig mitgebaut haben.
Ohne die Zeichner geht hier sowieso nichts. Mort Drucker, Harvey Kurtzman und Al Jaffee mit seinen legendären Faltseiten bekommen den Platz, der ihnen zusteht – Leute, die infantile Gags und gnadenlosen Spott zu einer ganz eigenen Kunstform gemacht haben.
Ich bin stolzer Besitzer einer der grössten MAD Heft Sammlungen der Welt und beim Lesen von The MAD Files musste ich mehr als einmal grinsen, weil mir klar wurde, wie viel von diesem Humor sich längst in meinem eigenen Kopf festgesetzt hat. Wer mit MAD aufgewachsen ist, wird ähnlich reagieren. Wer das Heft erst jetzt entdeckt, bekommt hier trotzdem einen ziemlich guten Zugang zu dieser herrlich kaputten Welt. The MAD Files ist schräg, überflüssig im allerbesten Sinne – und ein Buch, das ich nach der letzten Seite nicht zurück ins Regal gestellt, sondern gleich weiterverliehen habe.
Das Buch kann unter diesem Link bestellt werden.



