Norman Mingo – Der Mann, der Alfred E. Neuman das Gesicht gab

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Amerikanischer MAD Zeichner (20.Januar 1896 – 9.Mai 1980)

Norman Mingo war ursprünglich Werbegrafiker: Anzeigen, Taschenbuchcover, Zeitschriftenillustrationen – das übliche Programm eines freien Illustrators seiner Zeit. Berühmt wurde er trotzdem durch etwas ganz anderes: seine Arbeit für das MAD Magazine. 1956 verpasste er dem sommersprossigen, lückenzähnigen Grinsegesicht genau den Look, mit dem Alfred E. Neuman zur Ikone wurde. Reguläre Comicseiten hat Mingo für MAD nie gezeichnet – aber seine Cover erzählten trotzdem kleine Geschichten für sich.

Vom Teenager-Profi zum Werbeillustrator

Dass Mingo zeichnen konnte, zeigte sich schon früh. Als Jugendlicher gewann er mehrere Wettbewerbe, darunter einen Fernkurs für Zeichnen, bei dem die eingesandten Arbeiten mit Anmerkungen und Kritik zurückkamen – eine praktische Ausbildung, lange bevor er einen Fuß in die Branche setzte. Noch als Teenager verdiente er Geld mit seiner Kunst und verließ die High School vorzeitig.
Nach seinem Dienst in der US-Armee im Ersten Weltkrieg arbeitete er als Werbemaler, später als freier Illustrator. In den 1930er-, 40er- und 50er-Jahren malte er Pin-ups, Taschenbuchcover, Filmplakate, sogar Papierpuppen von Hollywood-Stars. Kaum ein Winkel der kommerziellen Illustration blieb von ihm verschont.

Alfred E. Neuman

1956 stieß Mingo auf eine Anzeige in der New York Times: Eine nationale Zeitschrift suchte einen Porträtkünstler für ein besonderes Projekt. Dass es sich dabei um MAD handelte, begeisterte ihn zunächst wenig – ein Comicmagazin gehörte nicht zu seinen bevorzugten Auftraggebern.
Chefredakteur Al Feldstein erklärte ihm die Idee dahinter. Die Redaktion nutzte den seltsamen Jungen mit den abstehenden Ohren bereits seit einiger Zeit als Running Gag auf verschiedenen Covern. Jetzt sollte daraus eine feste Identifikationsfigur werden.

USA MAD Nummer 30
USA MAD Nummer 30 – Titelbild von Norman Mingo

Von MAD erfunden wurde das Gesicht dabei nicht – ähnliche Versionen tauchten schon seit dem späten 19. Jahrhundert in Anzeigen und auf Postkarten auf.
Alfred erschien zunächst namenlos auf den Covern von Ausgabe #21 und #24. In Ausgabe #29 bekam er seinen Namen und den berühmten Spruch „What, me worry?“. Den eigentlichen Durchbruch brachte Ausgabe #30 vom Dezember 1956: Hier stand Alfred erstmals großformatig, farbig und als zentrales Motiv im Mittelpunkt des Covers.
Mingo behielt die bekannten Gesichtszüge bei, malte die Figur aber mit einer erstaunlich realistischen Technik. Dadurch wirkte Alfred gleichzeitig wie Karikatur und wie echte Person. Der Zeitpunkt passte: Harvey Kurtzman und Will Elder hatten das Magazin gerade verlassen, Feldstein und Verleger William Gaines suchten eine neue Richtung – und fanden mit Alfred ihr Gesicht.

Legendäre Cover und ein ungewöhnliches Markenzeichen

Auf Ausgabe #126 trat Alfred als Uncle Sam auf und fragte provokant: „Who Needs You?“ Auf einem anderen Cover übermalte er kurzerhand die Straßenmarkierung mitten auf der Fahrbahn, auf einem weiteren ließen Mia Farrow und die Beatles ihn wie eine spirituelle Leitfigur verehren.
Besonders denkwürdig: Ausgabe #80, auf der Alfred in drei Bildern eine Rakete zündet und sich im letzten Panel selbst in die Luft sprengt.
97 MAD-Cover gestaltete Mingo am Ende – ein Rekord, der erst 2016 von Mark Fredrickson überboten wurde. Ab 1975 fügte Mingo seiner Signatur außerdem einen kleinen Fisch hinzu, das christliche Ichthys-Symbol; zu dieser Zeit hatte er sich dem christlichen Glauben neu zugewandt. Trotz seiner dominierenden Präsenz auf den Titelbildern war Mingo nur ein einziges Mal im Innenteil von MAD zu sehen: mit den Illustrationen zu Frank Jacobs‘ Artikel über aussterbende Traditionen in Ausgabe #136 vom Juli 1970. Typische Beispiele:

  • Mad #30 (Dezember 1956) – Das erste Cover mit Alfred E. Neuman als zentrales Motiv.
  • Mad #31 (Februar 1957) – Alfred malt die Straße um die Mittellinie herum.
  • Mad #113 (September 1967) – Alfred erschreckt eine Schachtel aus der Spielzeugkiste.
  • Mad #121 (September 1968) – Alfred wird als Guru verehrt, umgeben von Mia Farrow, den Beatles und Maharishi Mahesh Yogi.
  • Mad #126 (April 1969) – Alfred als Uncle Sam mit der Parodie „Who Needs You?“.
  • Mad #161 (September 1973) – Alfred liegt im Ozean mit seinen Füßen in einem Rettungsring.
  • Mad #172 (Januar 1975) – Alfred bläst einen Weihnachtsbaum auf.
  • Mad #210 (Oktober 1979) – Rückseite zeigt Alfred neben einem Atomkraftwerk mit dem Text: „Yes… me worry!“.
  • Mad #211 (Dezember 1979) – Alfred malt den König der Herzen auf einem Spielkarten-Cover.

Eine vollständige Liste seiner Veröffentlichungen findet man auf dieser Seite.

 

Aurora Alfred Neuman Model Kit
Aurora Alfred Neuman Model Kit

Was von Mingo bleibt

Sammler zahlten nach Mingos Tod mehr als 200.000 Dollar für das Originalgemälde von MAD-Ausgabe #30 – seine Arbeiten gehören bis heute zu den gefragtesten auf dem Sammlermarkt.

Titelbild Norman Mingo US MAD Taschenbuch "The Greasy MAD"
Titelbild Norman Mingo US MAD Taschenbuch „The Greasy MAD“

Karikaturisten griffen auch danach immer wieder auf Alfred zurück. Von George W. Bush bis Barack Obama mussten sich zahlreiche US-Präsidenten das berühmte Grinsen überziehen lassen. Selbst in der Schweiz sorgte Alfred noch für Schlagzeilen, als Medien SVP-Politiker Albert Rösti mit ihm verglichen.

Ohne Mingos Version hätte Alfred E. Neuman wohl nie den Sprung von der namenlosen Randfigur zum Markenzeichen geschafft, das MAD bis heute trägt.

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