When We Went MAD: Ein Film über ein Magazin, das niemals erwachsen werden wollte
Also gut, Alan Bernstein hat es tatsächlich durchgezogen. Nach acht Jahren, zwei Anwaltsbriefen von DC und einem Kaffee-Etat, der vermutlich das BIP eines Kleinstaats gesprengt hätte, ist sein MAD-Dokumentarfilm endlich im Kasten. Und nein, es ist kein staubiges Geschichtsbuch geworden – zum Glück. Wer sich jetzt aber eine weinerliche Verklärung der „guten alten Zeit“ erwartet, liegt falsch. Bernstein haut lieber selbst mal ein bisschen drauf.
Kurtzman hatte die Idee, Gaines das Geld – und den Dickkopf, das durchzuziehen. Dass aus einem simplen Comicheft plötzlich ein Sprachrohr für all jene wurde, die Autoritäten lieber mit Eiern bewerfen als anzuhimmeln, lag wohl daran, dass die 50er Jahre einfach perfektes Kanonenfutter boten. Bernstein spult das nicht chronologisch ab (Gott sei Dank), sondern springt zwischen den 60ern und 70ern hin und her – was bei MAD irgendwie auch völlig okay ist, denn Zeitlinien waren denen eh immer egal. Für mich war dieses Magazin damals heiliger Ernst unter dem Mathebuch, und allein deshalb werde ich dem Film schon einen Freifahrtsschein geben.
Bernstein zeigt aber auch die Abwärtsspirale. Wie sehr sich Gaines damals mit den selbsternannten Sittenwächtern anlegen musste, und wie die Redaktion in den 80ern plötzlich wie ein bemitleidenswerter Onkel wirkte, der den Punk nicht versteht – das sind die Momente, in denen der Film tatsächlich mal wehtut. Keine Angst, er wird nicht zum Geschichtsunterricht, aber er verklärt eben auch nichts.
Die alten Zeichner und Redakteure kommen zu Wort, und das ist gut so, denn deren Geschichten sind oft seltsamer als ihre Karikaturen. Dazu ein paar prominente Fans, die erklären, warum sie ohne Alfred E. Neuman heute wahrscheinlich Therapeuten hätten. Das hat mich mehr abgeholt als jede weichgespülte Anekdote über den „MAD-Spirit“.
Und ja, Bernstein poltert ordentlich durch die Archive. Es hagelt Seitenhiebe gegen Politiker, Werbefuzzis und Tabus – und das Schöne ist: Vieles davon wirkt heute erschreckend aktuell. Man merkt, dass sich an der menschlichen Dummheit seit 1952 nicht viel geändert hat, nur die Frisuren sind teurer geworden.
Al Jaffee ist natürlich heimlicher Star des Films. Dass er seine Fold-Ins eigentlich nur erfunden hat, weil er zu faul für ganze Seiten war, erwähnt Bernstein allerdings nur in einem Nebensatz – schade. Dafür bekommt man Sergios wahnwitzige Randzeichnungen geballt präsentiert, und allein das ist das Ticket wert. Die Archiv-Funde sind übrigens tatsächlich mal nicht nur Füllmaterial; da war ein Sketch von Don Martin dabei, von dem ich bis heute nicht wusste, dass er existiert.
„Ich habe den Film zweimal in den Müll werfen wollen“, gesteht Bernstein in einem versteckten Interview-Ausschnitt. „Einmal, weil mir die Rechte an einem Foto um die Ohren flogen, und einmal, weil ich beim Schnitt dachte: Wer zum Teufel interessiert sich heute noch für ein Magazin, das nicht mal mehr im Kiosk liegt? Zum Glück habe ich dann doch weitergemacht.“
Die große Frage bleibt: Wer ist heute noch die Zielgruppe für MAD? Wer mit dem Magazin groß wurde, kauft sich die Karte sowieso. Und jüngere Zuschauer? Die kriegen hier zumindest mit, warum ihre Eltern oder Großeltern diesen speziellen, kaputten Humor haben. Es geht nicht darum, Antworten auf die Welt zu liefern – MAD war immer besser darin, den Finger in die Wunde zu legen, während es grinst.
Premiere ist am 22. August in New York. Wer also zufällig einen Mittvierziger mit falschen Zähnen und einem zerfledderten T-Shirt am Eingang rumstehen sieht – das bin nicht ich, aber der Typ hat mit Sicherheit die besseren Geschichten zu erzählen als der Film. Also hingucken. Und denkt dran: Nehmt das alles nicht zu ernst. Hat MAD schließlich auch nie getan.
Im Folgenden ist die Ankündigung im Original:
No, this is not an exclusive clip from When We Went MAD!. Roy Scheider was apparently so appalled at his depiction in the MAD satire, “Jaw’d”, he thought it better to pass away than sit down for an interview. (completely untrue) Rather, it is from 2010: The Year We Make Contact and this scene in particular offers us something that can be directly applied to When We Went MAD!
Yes, something wonderful is about to happen:
ON AUGUST 22, 2024, WHEN WE WENT MAD! WILL HAVE ITS WORLD PREMIERE SCREENING IN NEW YORK!
Yes indeed! This long, arduous, long, challenging, maddening, long, anxiety ridden, long, joyful labor of love has reached its conclusion. For various expected and unexpected reasons, making this film took exactly this long. But the work has paid off. We are quite proud of this film and cannot wait to unleash it upon the world.
Here are the details:
Thursday, August 22
Leo and Julia Forchheimer Auditorium
The Center for Jewish History
15 West 16th Street, New York
We will have a pre-screening VIP invitation only reception at 6pm.
7pm showtime!
Immediately after the film, we are planning a panel discussion/ Q&A with some special guests.
Kickstarter backers/Investors who reached the level of an invite to the screening – we will be in contact shortly. We hope you can make it!
Once we have all of our promotional materials in order, we will reach out to all Kickstarter backers to start the process of swag dispersal!
Tell your friends! Tell your family! Tell the weird neighbor who mows his lawn with black socks and sandals! It’s time to celebrate and spend an evening seeing a great film and fondly remembering WHEN WE WENT MAD!
MORE INFO SOON!




