Wenn man sich den Zustand der heutigen Popkultur ansieht, wünscht man sich oft die bissige Satire vergangener Tage zurück. Demnächst gibt es zumindest in dokumentarischer Form Nachschub. Ein offizielles Poster kündigt den neuen Dokumentarfilm „The Mad World Of Harvey Kurtzman“ an, der sich voll und ganz dem Leben jenes Mannes widmet, der MAD erschaffen und damit die amerikanische Comic-Landschaft unwiderruflich geprägt hat.
Die Fakten zur Premiere des Harvey Kurtzman Films
Die Weltpremiere des Films findet am 16. August auf dem Edinburgh International Film Festival statt. Dort läuft das Werk nicht nur außer Konkurrenz, sondern ist direkt für den „Sean Connery Prize for Feature Filmmaking Excellence“ nominiert.
Produziert wird die Dokumentation von Intuitive Pictures und Aconite Productions. Die finanzielle und strukturelle Rückendeckung kommt von Telefilm Canada, Screen Scotland sowie dem BFI/UK Global Screen Fund. Für den Vertrieb ist B.IN Media zuständig.
Auf dem Regiestuhl sitzt passenderweise ein Mann namens Bart Simpson. Wer bei diesem Namen an gelbe Cartoon-Figuren denkt, irrt, auch wenn Simpson durchaus Erfahrung mitbringt. Er inszenierte bereits Dokumentationen wie „The Corporation“, „Moebius Redux: A Life in Pictures“ und „Brasília: Life After Design“.

Ein Blick in die Archive
Der Film beleuchtet Harvey Kurtzmans gesamten Werdegang. Die Erzählung beginnt in den von Einwanderern geprägten Straßen von Brooklyn in den 1920er Jahren. Gezeigt wird sein Aufstieg im chaotischen Comic-Markt der Kriegszeit, sein unermüdlicher Perfektionismus und die Tatsache, dass er sich selbst den Respekt von Branchengrößen wie Marvels Stan Lee verdiente.
Sammler und Historiker dürften besonders an den raren Aufnahmen interessiert sein. Die Macher haben tief in Kurtzmans privaten Archiven gegraben und präsentieren bisher unveröffentlichte Interviews. Untermalt wird das Ganze von einem originalen Jazz-Soundtrack und handgemachten Animationen, die seine klassischen Zeichnungen zum Leben erwecken. Thematisiert werden natürlich nicht nur seine Zeit als Autor und Redakteur bei EC Comics und MAD. Auch seine Arbeit an „Little Annie Fannie“ für den Playboy sowie seine Lehrtätigkeit an der New York School of Visual Arts finden ihren Platz.
Ein zentrales Thema des Films ist zudem die Zeit, in der Harvey Kurtzman wegen seiner Antikriegs-Comics ins Visier des FBI geriet. Seine Antwort auf diese Ermittlungen war schlicht die Erschaffung von MAD, um die Absurditäten der aufkommenden Film-, Fernseh- und Prominentenkultur bloßzustellen.
Die Prominenz verneigt sich
Für die Dokumentation konnten namhafte Wegbegleiter und Bewunderer gewonnen werden. Neben Robert Crumb, Art Spiegelman und dem echten Matt Groening kommt vor allem Terry Gilliam zu Wort, der bei dem Projekt auch als ausführender Produzent auftritt.
Gilliam bezeichnet Kurtzman rückblickend als seinen Gott während der College-Zeit. Der Kontakt mit den frühen MAD-Ausgaben habe seine komplette Weltsicht verändert, ihm die Augen für Parodien geöffnet und ihm gezeigt, dass man selbst bei völliger Albernheit eine gewisse professionelle Ernsthaftigkeit an den Tag legen muss. Eine historische Fußnote, die im Film ebenfalls behandelt wird: In den Büros von Kurtzmans späterem Magazin „Help!“ lernten sich Terry Gilliam und John Cleese überhaupt erst kennen, wobei Cleese damals in Gilliams Foto-Comics auftrat.
Laut Regisseur Bart Simpson hatten Kurtzmans Comics in seiner eigenen Jugend fast schon etwas Beängstigendes an sich. Sie verzerrten das idealisierte Leben, das einem im Fernsehen vorgegaukelt wurde, und fühlten sich gleichzeitig unglaublich komisch, aber auch verboten an. Genau diese respektlose und mutige Einstellung soll „The Mad World Of Harvey Kurtzman“ nun auf die Leinwand bannen.



