
Al Jaffees Schätze kommen unter den Hammer – ein letztes Fold-In für die Ewigkeit
Ich geb’s zu: Als ich von dieser Auktion gelesen habe, musste ich zweimal hinschauen. Am 15. November 2024 versteigert das Auktionshaus Doyle in New York den kompletten Nachlass aus Al Jaffees privatem Studio – über 150 Originalzeichnungen, Fold-Ins, Skizzen und jede Menge kurioses Zeug aus seinem Arbeitsleben. Keine Drucke, keine Reproduktionen, sondern die echten Blätter, auf denen Jaffee selbst gesessen und gearbeitet hat. Wer schon immer ein Original-Fold-In übers Sofa hängen wollte, kriegt hier vermutlich die einzige Chance seines Lebens. Billig wird das allerdings nicht.
Al Jaffees Weg zu MAD war alles andere als der übliche Comiczeichner-Werdegang. 1921 in Savannah geboren, verbrachte er als Sohn jüdischer Einwanderer mehrere Jahre in einem litauischen Dorf – nicht aus Abenteuerlust, sondern weil seine Familie den Pogromen entkommen musste. Zurück in New York besuchte er die High School of Music & Art und begann in den 1940er-Jahren als Zeichner, erst fürs Militär, dann bei Timely Comics – dem Vorläufer von Marvel –, wo er schon Figuren wie „Ziggy Pig“ und „Silly Seal“ zeichnete. Richtig angekommen ist er aber erst 1955, bei MAD.

Dort schuf er nicht nur die legendären „Snappy Answers to Stupid Questions“ oder die bissige Vietnam-Satire „Hawks and Doves“. Für die meisten Fans ist sein Name aber vor allem eins: das Fold-In. Die Idee dahinter ist so simpel wie genial – während der Playboy auf ausklappbare Mittelseiten setzte, drehte Jaffee den Trick einfach um. Man faltete seine Seite zusammen, und erst dann kam die Pointe zum Vorschein. Über 500 Mal hat er dieses Prinzip durchgespielt und dabei Politiker, Promis und gesellschaftliche Absurditäten aufs Korn genommen.
Zur Auktion gehören Originale aus den 1960ern und 70ern, komplette Comicstrips, jede Menge Fold-Ins und Skizzenbücher voller handschriftlicher Notizen. Da steht dann mal „ändern, ist doof“ oder „zu langsam“ neben einer Skizze – man sieht förmlich, wie Jaffee an seinen eigenen Gags gezweifelt und gefeilt hat. Genau solche Kleinigkeiten würde ich mir am liebsten selbst unter den Nagel reißen.
Versteigert werden außerdem Arbeiten von MAD-Kollegen wie Jack Davis und Sergio Aragonés – die „Gang of Idiots“ ist damit fast komplett vertreten. Hier bekommt man kein aufpoliertes Museumsstück vorgesetzt, sondern die kreative Werkstatt, aus der das Magazin tatsächlich entstanden ist.
Wer es nicht nach New York schafft, kann online mitbieten – den Link findet ihr weiter unten. Für mich ist das mehr als nur eine Auktion: Es ist eine der letzten Gelegenheiten, ein echtes Stück MAD-Geschichte zu ergattern, bevor alles in Privatsammlungen verschwindet.
Doyle steht sonst für Eleganz, Tradition und viel Glanz – nicht gerade Jaffees natürlicher Lebensraum. Wahrscheinlich hätte er selbst einen herrlich respektlosen Cartoon über die ganze Veranstaltung gezeichnet. Ich für meinen Teil werde die Auktion jedenfalls mit einem Grinsen verfolgen.
oder online Gebote abzugeben. Diese Veranstaltung ist nicht nur eine Versteigerung, sondern eine Hommage an Jaffees einzigartiges Erbe, das weit über seine Arbeiten hinausgeht und einen unschätzbaren Wert für die Satire- und Comicwelt hat.
Das Doyle Auktionshaus
Das Doyle Auktionshaus in New York ist ein renommiertes Auktionshaus, das seit seiner Gründung im Jahr 1962 für seine exklusiven Versteigerungen und hochwertigen Sammlungen bekannt ist. Mitten in Manhattan gelegen, bietet Doyle ein vielfältiges Portfolio an Kunstwerken, Schmuck, Antiquitäten und Sammlerstücken aus zahlreichen Kategorien, darunter Bildende Kunst, Schmuck, Möbel, Design und seltene Bücher. Doyle hat sich einen Namen gemacht durch seine Fachkompetenz und sein internationales Netzwerk, das Sammler, Investoren und Kunstliebhaber aus aller Welt anzieht.
Interessierte haben unter diesem Link die Möglichkeit, live an der Auktion teilzunehmen.



