Antonio Prohias

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Antonio Prohias
Antonio Prohias

Stier nicht Ochse! Antonio Prohias traute sich was und brachte sogar Fidel Castro in Wallungen.

Er wurde er am 17. Januar 1921 in Cienfuegos auf Kuba geboren, etwa 250 km südlich von Havanna.

Antonio Prohias
Antonio Prohias

Seine Ausbildung zum Cartoonisten beschränkte sich auf 12 Monate Studium an der San Alejandro Academy in Havanna. Prohias wollte sein Talent, dass ein Lehrer bei ihm bereits sehr früh entdeckte, direkt umsetzten und nahm das Angebot einer Festanstellung als Cartoonist bei einer Zeitung an.

Antonio Prohias war ein angesagter politischer Cartoonist und kurz bevor er Kuba verlassen hat der Präsident der Association of Cuban Cartoonists. 1946 wurde er mit dem Juan Gualberto Gómez Award ausgezeichnet und einige Zeitungen, darunter auch El Mundo, die bekannteste Zeitung auf Kuba, veröffentlichten seine Cartoons. Die meisten seiner Werke wurden in seiner Heimat veröffentlicht: Erizo, Oveja Negra, Liborito, El Hombre Siniestro, La Mujer Siniestra und Tovarich.

Am bekanntesten wurde El Hombre Siniestro. Manche sehen in ihm den Vorläufer von Spy vs. Spy, nicht nur durch seine markante Nase. Für Tovarich ehrte ihn Fidel Castro persönlich, was ihn jedoch nicht davon abhielt schon bald den großen Führer zu imitieren. Es gehörte Mut dazu das Ebenbild von Castro zu karikieren. Antonio Prohias traute sich was und ließ auch nicht mit sich verhandeln, seine Zeichnungen trafen immer das Ziel. So auch der kommunistische Tyrann aus der Sowjetunion, der Fidel Castro wie aus dem Gesicht geschnitten war. Cartoonisten waren ab dann in Fidel Castros Augen hinterhältig und revolutionär, die mit Intrigen gegen die Revolution vorgehen.

Früher Spy vs Spy Cartoon von Antonio Prohias aus dem US MAD Magazin
Früher Spy vs Spy Cartoon von Antonio Prohias aus dem US MAD Magazin

Damit ging er einen Schritt zu weit und wurde von der Regierung verdächtigt ein CIA Spion zu sein. Castro machte in einer Rede Druck auf die Kubaner nicht immer erst auf die Zensur zu warten, sondern diesen Karikaturisten einfach nicht mehr anzusehen. Den Namen Antonio Prohias nannte er bewusst nicht. Castros Rede hörte das ganze Land, die Auswirkungen bekam die Zeitung Zig-Zag sofort zu spüren.

Die Nachfrage war da, aber die Zeitungsverkäufer weigerten sich Zig-Zag zu verkaufen. Prohias wurde mit sofortiger Wirkung die Zusammenarbeit gekündigt. In der darauffolgenden Ausgabe der wöchentlich erscheinenden Zeitung prangte ein versöhnliches Foto von Fidel Castro inmitten des Managements. 

 

So langsam kippte die Stimmung im Land und es begann gefährlich und existenzbedrohend für ihn zu werden. Niemand wollte weiterhin mit ihm arbeiten, er musste irgendwann Kuba verlassen. Antonio Prohias war klar, dass er dann nicht mehr in jedes Land Reisen konnte, schon gar nicht in die Heimat.

Castro hatte bereits angekündigt die Pressefreiheit auf Kuba abzuschaffen, da entschied sich Prohias in die USA zu gehen. Am 1. Mai 1960 kam er in Florida an, drei Tage bevor dieses Gesetz auf Kuba in Kraft trat. Kurze Zeit später holte er seine Frau, Sohn Tony und Tochter Marta nach. Seine Arbeit in einer Textilfabrik deckte die monatlichen Ausgaben.

Mit einem festen Willen und dem Ziel vor Augen seine Werke wieder in die Öffentlichkeit zu tragen, arbeitete er nachts an etwas ganz Besonderem: Er erschuf zwei Spione für die Ewigkeit! Spy vs. Spy sollte seine Eintrittskarte in die Welt der angesagten New Yorker Cartoonisten-Szene sein.

Nach zweieinhalb Monaten war es so weit, drei Folgen von Spy vs. Spy waren fertig. Die klaren Linien von Manhattan mit seinen schnurgeraden Avenues und den unzähligen quadratischen Bürotürmen waren bereit für geometrische Spione in schwarz und weiß! Am 12. Juli 1960 steckte er seine Werke in eine Mappe, nahm seine 14-jährige Tochter Marta als Übersetzerin an die Hand und sprach beim Mad Magazin vor.

Antonio Prohias hatte ein gutes Gefühl in der USA, wo die Meinungsfreiheit in den Gesetzten fest verankert ist. Allgemein dachte man, dass sich Magazine und Zeitungen niemals zensieren ließen. Er wurde eines Besseren belehrt und wieder Stand seine Karriere noch bevor sie begann auf der Kippe. Alle waren angespannt, der kalte Krieg stand vor der Tür und jetzt noch einen kubanischen Flüchtling zu engagieren war schon gewagt.

Einen Vorgeschmack bekam das Magazin Jahre zuvor durch den damaligen Leiter des FBI, J. Edgar Hoover. Er war „not amused“ über seine Karikatur und untersagte jegliche Witze über ihn und die Verunglimpfung seiner Person. Obwohl Prohias Stil nur bedingt zu Mad passte, wollten Feldstein und Gaines drei Werke in ihr Magazin aufnehmen. Der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten, sein English schon. Selbst nach mehr als 10 Jahren bestand sein Wortschatz aus wenigen englischen Sätzen! 

Er hatte es geschafft, soviel stand fest. Im prosperierenden New York brachte ihm die erste Gage Auftrieb und Selbstvertrauen, gerade recht für einen entwurzelten Kubaner. In seiner Heimat befasste sich Antonio Prohias mit allen Themen rund um die Politik. Hier wollte er wieder als politischer Cartoonist an diese Zeit anknüpfen, die Kritik am kalten Krieg sollte zu erkennen sein, aber eher bedeckt. Spy vs. Spy war schlüssig und ließ trotzdem Raum für eigene Gedanken. Ein Spiegelbild einer Gesellschaft zwischen zwei Supermächten.

Prohias bezeichnete die beiden einmal ganz beiläufig als Mr. Sinister in weiß und Mr. Sinister in schwarz, wohlmöglich eher scherzhaft!? Während eines Interviews im Jahre 1983 für den Miami Herald sagte Antonio Prohias, dass es ein gutes Gefühl ist mit der Satire über die Spionage, die ihm damals in der Heimat vorgeworfen wurde Geld zu verdienen.

Mitte der neunziger Jahre fiel ihm das Zeichnen merklich schwerer, bis er es bald schon nicht mehr schaffte auch nur eine Skizze anzufertigen. 1986 setzte er sich nach 241 Folgen von Spy vs. Spy aus gesundheitlichen Gründen zur Ruhe.

Antonio Prohias starb im Alter von 77 Jahren am 24. Februar 1998 in Miami/Florida an Lungen-Krebs. Seine Frau Marta Zamora León, von der er 1963 geschieden wurde, starb zwei Jahre später, Weihnachten 2000.

Er hinterlässt einen Sohn, Antonio „Tony“ Prohias und zwei Töchter, Susana Prohias Schubert und Marta Rosa Pizarro.

Seine jüngere Tochter, Susana Prohias Schubert arbeitet an einer Dokumentation über ihren Vater.

Auf MADtrash.com findet man eine Liste seiner Veröffentlichungen im MAD Magazin.

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